… tatsächlich gehört Klös zu denjenigen, die immer noch da sind, wenn diese und jene „Zeitgeistsau“ durchs Dorf getrieben worden ist und deren Silhouetten längst am Horizont verblassen. Vor exakt 30 Jahren, als 28 jähriger, hat der die Sicherheit eines erlernten Brotberufes aufgegeben und sich als freischaffender Künstler etabliert, dessen Kunstfertigkeit und unaufgeregte, immer sinnliche Handschrift schon lange ein eingetragenes Markenzeichen im Kanon der zeitgenössischen Kunst geworden ist.

Mit ‚Wein, Weib und Gesang’ könnte man die Stränge des Klösschen Werks bezeichnen, denn auch das Krächzen der von ihm so häufig portraitierten Raben ist ja die Entäußerung eines Singvogels. Sänger sind aber auch die von ihm portraitierten Musiker, denen er radierte Hommagen gewidmet hat: Dylan, Lennon, Hendrix und viele mehr. Seine Auseinandersetzung mit dem meist weiblichen Akt ist stilsicher, humorvoll und sinnlich, und sie verrät viel von der Lust des Künstlers am prallen Leben – die ihn schließlich auch dazu gebracht hat, seine in langen Jahren vor allem in der zweiten Heimat Südfrankreich gesammelten Rezepte auf äußerst unterhaltsame Weise in dem prächtig illustrierten Künstlerbuch ‚Hokaido’ zugänglich zu machen.

(…) seine Arbeiten sind so begehrt, dass kaum etwas zu ergattern ist. Jetzt hat er einige Radierungen geschaffen, die nur die Konturen einer Figur wiedergeben, und hat diese auf sehr unterschiedliche Art übermalt. Jedes Mal entsteht ein völlig neues Bild, und wenn man es nicht wüsste, würde man die Beziehung zur nächsten Übermalung nicht automatisch herstellen.

Wolfgang Grätz, Büchergilde Frankfurt, 2010

… wobei es den Anschein hat, als gelänge Klös hier etwas, das neuerdings nur noch selten zu gelingen scheint – nämlich im Formalen durchaus auch vollgültig Pornografisches mit dem Künstlerischen zu versöhnen. Denn eins ist klar, auf den Blättern des Künstlers geht es richtig und außerdem recht vielseitig zur Sache. Nichts ist verdeckt, verdruckst oder verpixelt. Und selbst der Aspekt des voyeuristischen Nutzungszwecks, der bei Pornografie-Definitionen nicht fehlen darf, ist hier enthalten – freilich in skurriler Nebenschauplätzen der Szenerien. Die nämlich schließen hier und da auch Betrachter ein, die ganz große Augen machen – nicht nur Männer übrigens.
Klös stellt sich damit in eine Tradition der kleinen, einst sehr diskreten künstlerischen Form, die vor allem mit so genannten Exlibris gepflegt wurde, und in der auch viele große Namen verewigt sind. In ihnen wie in den Blättern von Klös erreicht auch das äußerst Gewagte immer den vollen künstlerischen Rang. Alles Dumpfe und Peinliche prallt hier von einem Schutzschild ab, der hauptsächlich aus Witz und Lebensfreude zu bestehen scheint.

Detlev Färber, Mitteldeutsche Zeitung, Halle, 2011

Hier zu einer Auswahl an Werken von Bodo W. Kloes